Auf ihrem neuen Album »Tales Of Transit City« fällt schon im ersten Song »Transit« ein ähnlicher Effekt ins Auge, diesmal jedoch auf musikalischer Ebene. Da blubbert für ein paar Sekunden ein Synthesizer, bevor sich die typisch quengelnden Okta Logue-Gitarren dazu gesellen, ein geradezu jazziges Schlagzeug einen neuen, subtilen Kontrast bildet, Orgel, Gesang und Bass folgen, alles verdichtet sich in einem Anti-Klimax, dann ist der Synthie wieder da, es schäumt auf wie in einem amtlichen Clubtrack und entlädt sich ganz in raveartigen Rockstrukturen. Mit dem ersten Song bereits auf eine wundersame Reise geschickt, hört man im weiteren Verlauf von »Tales Of Transit City« u.a. Beatles-Zitate, Brit-Pop-Reminiszenzen, nie zuvor geschriebene Keith-Richards-Riffs, Wilco-Verbeugungen und clubbige Synthesizer, die auf erhabene Chöre treffen. Ist das Album zu Ende, will man es voller Erstaunen wieder von vorne hören. Okta Logue sind ein blendendes Beispiel dafür, zu welchen außergewöhnlichen musikalischen Ergebnissen junge Bands heutzutage gelangen. Das ist sicher der Plattensammlung der Eltern geschuldet, wahrscheinlich auch den unendlichen Archiven des Internet, vor allem aber auch, hier schließt sich vielleicht ein Kreis zu mir selbst, dem Erbe von 20, 30 Jahren elektronischer Musik- und Clubkultur, die wahrscheinlich so ziemlich jedes Teilchen in diesem Land einmal umgepolt haben. Seitdem wird unter deutschen Dächern einfach anders gerockt, anders getanzt, anders gefeiert, anders komponiert, anders geliebt, anders getextet. Als das höre ich im Subtext von Okta Logue. Eine aus dieser Freiheit geborene Gelassenheit, Souveränität und Offenheit macht sich auf »Tales Of Transit City« in jedem Song und in jedem Ton bemerkbar, viel stärker, aber auch viel selbstverständlicher als auf ihrem Debüt »Ballads Of A Burden«. Es ist ein verdammt gutes zweites Album geworden – schließlich kann man da allerhand falsch machen – ein Album, dass sich ganz lässig und sexy aus der Vintage-Falle und der Retro-Schublade befreit, dass sich selbst mit den eigenen Waffen schlägt und einen deutlichen Schritt in Richtung Pop geht, ohne sich in Klischees, Pomp oder Kitsch zu verlieren. Okta Logue haben immer noch zu enge Hosen, zu kurze T-Shirts und unmögliche Frisuren, sie werden hoffentlich weiter dieses ultracoole Image einer cross-dressing Hipster-Band pflegen, die mächtig an der Uhr gedreht hat. Wahrscheinlich werden sie auch weiter tolle Videos drehen. Für »Tales Of Transit City« aber braucht es das Image nur noch bedingt. Das ist Musik, die man verdammt gerne hört, selbst wenn man blind wäre. «
Tobias Thomas