19.30 Uhr CHOIR OF YOUNG BELIEBERS
Wenn der Choir Of Young Believers auftritt, stehen in der Regel acht Musiker auf der Bühne. Doch hinter der Band steht als Songschreiber und Multiinsttrumentalist Jannis Noya Makrigiannis. Der Musiker aus Kopenhagen hat eine Band bereits 2006 gegründet, in diesem Jahr ist mit „Grasque“ das dritte Album von COYB erschienen. Makrigiannis’ „Chor“ spielt orchestralen Pop, der in kaum eine er üblichen Genre-Schubladen passt. Die Kompositionen sind weite Klanglandschaften mit einem breiten Klangspektrum, das unter anderem von Streichern gestaltet wird.
Mit COYB kann der Zuhörer sich auf Reisen in abgründige Gefühlswelten begeben, manchmal erinnern die Stücke an die Werke von Brian Eno und Scott Walker. Auf dem neuen Album hat Makrigiannis auch viel mit Techno und House experimentiert. Sein Projekt ist auch eine Spielwiese. Das ergibt manchmal fast paradoxe Gegensätze, „Grasque“ überrascht aber auch mit jedem Stück neu.
21.00 Uhr THE BOXER REBELLION
Als Nathan Nicholson Anfang des Jahrtausends von Tennessee nach London kam, wurde er von all den tollen Brit-Pop-Bands angezogen, die seit Jahren die britische Musikszene beherrschten. Der Sänger mit dem Falsett fand in der britischen Metropole schnell eine Band und The Boxer Rebellion war geboren. Fünf Alben hat die Rock-Band bisher veröffentlicht, in diesem Jahr ist mit „Ocean By Ocean“ das aktuelle Werk erschienen.
Darauf macht das Quartett dort weiter, wo es beim Vorgänger „Promises“ aufgehört hat. Jeder Song ist schön orchestriert und arrangiert, Nicholsons Gesang klingt teilweise hymnisch, viele Lieder sind von tiefen Emotionen getragen. Einziger Unterschied zu den Alben davor ist ein Personalwechsel an der Gitarre. Für Todd Howe ist seit 2014 Andrew Smith dabei. Nathan Nicholson hat übrigens nie bereut, seine Heimat verlassen zu haben. Sein Leben in London ist aufregend und er ist stolz, in einer Band zu sein, an die er glaubt.
22.30 Uhr THE PAPER KITES
The Paper Kites aus dem australischen Melbourne klingen genauso, wie man sich das Leben in diesem Land ewiger Sonne in seinen Surf-Fantasien von endlosen Ferien vorstellt. Tiefenentspannt im Hier und Jetzt, positiv, harmonisch mit Gitarren, soften Drums und mehrstimmigem Chorgesang. Waren die ehemaligen Schulfreunde um Sänger und Songschreiber Sam Bentley in ihren Anfängen eher märchenhafte Folk-Erzähler mit deutlichen Anleihen bei Fleetwood Mac, wandten sie sich zuletzt eher einem dynamischeren Elektro-Indie-Pop zu.
Auf ihrem zweiten Album „Twelvefour“ haben sie sich von ihren Idolen weitgehend entfernt, der Sound ist urbaner, schlafloser, mehr Uptempo mit schönen, melodischen Gitarrenexkursen. Alle Songs entstanden zwischen Mitternacht und vier Uhr Morgens. Den Feinschliff besorgte Produzent Phil Ek, der schon den Sound der Fleet Foxes und der Band of Horses angemessen formte.
24.00 Uhr JULY TALK
Getroffen haben Peter Dreimanis und Leah Fay sich in einer Kneipe namens „The Communist’s Daughter“ in Toronto. Zusammen mit drei Kumpels gründeten sie 2012 ihre Band July Talk, die sich anschickt, dieses Jahr den ganz großen Durchbruch zu schaffen. Einen Vorgeschmack auf das kommende zweite Album liefert bereits die Single „Push + Pull“. Es ist ein schneller Blues-Rock-Kracher, der, in der richtigen Lautstärke gespielt, die Crowd in einem Rock-Schuppen so richtig durchschüttelt.
Das Besondere an July Talk ist die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren der Band. Auf der einen Seite Peter Dreimanis, der mit seiner tiefen Stimme wie Tom Waits klingt, auf der anderen Leah Fay mit ihrem zarten Pop-Crooner-Gesang. Das Ganze klingt wie eine Garage-Rock-Ausgabe von „Die Schöne und das Biest“. Das Debütalbum der fünf Kanadier wurde 2015 mit dem Juno für das „beste Alternative-Album“ geehrt. Der Juno ist das kanadische Pendant zum Grammy und eine Auszeichnung, die eine Menge über die Qualität der Preisträger aussagt. July Talk gehören zu den großen Geheimtipps dieses Jahres. Unbedingt anhören!