20.35 Uhr STURGILL SIMPSON
Wenn ein Musiker mit einem Album, das er nahezu im Alleingang und ohne Unterstützung durch ein großes Label aufgenommen hat, für einen Grammy nominiert wird, horchen eben diese Labels auf. Im Fall von Sturgill Simpson war das exakt so. Der Country-Sänger aus Kentucky hatte mit „High Top Mountain“ (2011) und „Metamodern Sounds in Country Music“ zwei Alben veröffentlicht, die sich anständig verkauften und die Top Ten der Country Charts erreichten.
Inzwischen ist der 38-Jährige bei Atlantic Records unter Vertrag. Die Labelbosse werden sich zu diesem Signing beglückwünschen, denn Simpson erreichte mit dem aktuellen Album „A Sailor’s Guide To Earth“ Platz 3 der Pop-Charts. Simpsons Stil erinnert etwas an den Outlaw-Country von Waylon Jennings, er selber sieht sich eher in der Tradition von Willie Nelson und Merle Haggard. Seinen Fans dürfte das herzlich egal sein. Wichtiger ist, dass ein junger Country-Musiker in der Szene aufgetaucht ist, der erstklassige Songs im Gepäck hat.
21.50 Uhr JODIE ABACUS
Jodie Abacus ist ein Spaßvogel. Für seine aktuelle Single „Hot Kitchen“ hat er ein Video gedreht, in dem er Makkaroni kocht, musikalische Makkaroni. Zu den Nudeln gibt er einen Schuss Aretha Franklin, eine Prise Michael Jackson und ganz viel Stevie Wonder. Aus diesen und noch mehr Zutaten rührt er einen Soul-Mix an, der es in sich hat. Obwohl im Südwesten Londons groß geworden, klingt die Musik von Abacus wie bester amerikanischer Funk & Soul.
Nicht weiter erstaunlich, denn sein Vater war ein DJ und sehr an afroamerikanischer Musik interessiert. Schon früh hörte Jodie all die Soul- und HipHop-Größen zu Hause. Nach der Schule wollte Abacus eigentlich aufs College gehen, doch es hielt ihn dort nicht lange. „Plötzlich stand ich an einem Scheideweg. Ein Pfeil zeigte in Richtung Schauspielerei, der andere in Richtung Musik“, erzählt er. Er entschied sich für letzteres. Eine gute Wahl, denn Jodie Abacus ist ein formidabler Sänger und erstklassiger Entertainer. Seine Singles „Space Buffalo“, „Halfway To Mexiko“ und „Hot Kitchen“ beweisen das.
23.30 Uhr NOAH GUTHRIE
Noah Guthrie hat für einen US Songwriter eine ungewöhnliche Karriere angeschoben. Auf YouTube hat er nur durch seine Gitarre und seine wundervolle, raue, seelenvolle Stimme mittlerweile 53 Millionen Zuschauer. Die verdankt er, neben seinem Talent für einfühlsame Musik, mehreren furiosen Covervideos, in denen er Gitarrenwerke von U2, Eric Clapton und Adele interpretierte.
Auf fünf Volumes hat er sie inzwischen auch als CD veröffentlicht. Hinzu kommen exzessives Touren und eine kleine Rolle in der US Serie „Glee“. Guthrie, der in South Carolina in einem Haus voller Musik aufwuchs und Gitarre spielt, seit er 14 Jahre alt war, hat mit „Among The Wildest Things“ inzwischen auch ein feines Debütalbum mit Pop orientierten und üppig arrangierten Originalen produziert. Mit Vorliebe singt er von Heimat, Familie, Freundschaft und natürlich der Liebe.
00.50 Uhr DIE HEITERKEIT
Heiter klingt anders als die Songs der Hamburger Band, die sich den Namen Die Heiterkeit gegeben hat. Aber genau diese Bedeutungsumkehrung ist Programm der Slowcore-Pop-Band um die Sängerin Stella Sommer. Ihre Songs sind der Gegenentwurf zu euphorischen Liedern und Gute-Laune-Songs. Die Heiterkeit will düster sein. Ihre Musik ist spröde und biedert sich nirgendwo an, aber genau das macht das Quartett so einzigartig. Nachdem 2013 ihr Debütalbum erschienen ist, kommt in diesem Jahr als drittes Werk ein Doppelalbum mit dem Titel „Pop & Tod“ I + II“ heraus.
Die 20 neuen Songs, mit lässigem Minimalismus aufgenommen und von Moses Schneider produziert, wirken wie aus einem Guss. „Man kann dieses Album lesen wie einen Roman, wahrscheinlich ist es ein Konzeptalbum, weil alles ineinandergreift und sich fortentwickelt, auf jeden Fall hat es so was noch nicht gegeben, nicht mit dieser Haltung in deutscher Sprache, und das, was es ist, brauchen wir gerade jetzt“, schreibt der Schriftsteller Tino Hanekamp über „Pop & Tod I+II“. Besser kann man die Wichtigkeit der Heiterkeit nicht auf den Punkt bringen.