Unsere Geschichte
Nur wenige „Überlebende“ können noch von den Anfängen erzählen, denn das JAZZHOUSE eröffnete im August 1966 mit dem jungen „modern Jazzer“ ALBERT MANGELSDORFF seine Pforten in der Brandstwiete 2. Der NDR-Bigband Musiker Fred Christmann (Trompete) war zusammen mit seinem ebenfalls beim NDR musizierenden Bruder der erste Betreiber des späteren KNUST. Und die Galerie der großen Namen der ersten zehn Jahre ist beeindruckend.
Inga Rumpfs Folklore-Gruppe „City Preachers“ spielte von 1966-1967 jeden (!) Sonntag für unfassbare 10,- Mark Eintritt. Immer ausverkauft – heißt es. Sicher ist auch, dass Udo Lindenberg im alten Jazzhouse begann und dort von Klaus Doldinger entdeckt wurde. Oder dass der Jazzpianist Gottlieb Wendehals Haus-Pianist war. Dennoch waren die Tage des Modern-Jazz im JAZZHOUSE gezählt. Wie so viele Musikclubbetreiber überlebten die Christmänner den Umschwung von „Unterhaltung“ zu „Konzert“ in den frühen 70er Jahren nicht. Das Stammpersonal ging und begann im Onkel Pö (u.a. „Tresenlegende Harriet“).
Dieter Dombrowski leitete 1976 die Wende ein: „Immer was los – nie Eintritt“ hieß das Motto der „echten“ und urigen Folk-Kneipe KNUST. Der Name kam von den auch am Großneumarkt populären kostenfrei am Tresen angebotenen Knuste – die man mit Schmalz bestreichen konnte. Und es gab wieder neue Bands. Torfrock – zum Beispiel erlebten ihre Geburtsstunde 1976 im Knust, als sie aus Spaß die plattdeutsche Version von „Hey Joe“ spielten und sich das Publikum vor Lachen nicht mehr einkriegen konnte. Knust-Besitzer Dombrowski produzierte dann die ersten drei Torfrock LPs, bevor er 1983 von seiner ersten Steuerprüfung dahingerafft wurde.
Der junge Booker und Blues-Harp Spieler Karsten Schölermann übernahm und erfand die „Hamburger Engtanzfete mit Alleintanzverbot“. Sie sollte dem KNUST über die nächste Zeitenwende helfen, hielt 15 Jahre und schaffte es auf beeindruckende 1370 Auflagen.
Oder die ersten beiden, bis heute legendären, R.E.M – Shows 1984. In den späten 80ern war es dann kaum möglich mit Livemusik einen Blumentopf zu gewinnen. Wir überlebten nur durch die Engtanzfete.
Anfang der 90er kam mit Jungbooker Dirk Matzke der fällige Wechsel ins nächste Zeitalter. Er hatte sich gerade beim „South by Southwest“ die neuen jungen „American-New-Folk“ Künstler angeschaut. Plötzlich war das Knust wieder Anlaufstelle internationaler Künstler. Jeff Buckley oder Heather Nova kamen Anfang der 90er – um nur zwei Namen zu nennen. Stammgast war neben vielen Hamburger Musikern auch Norbert Roep. Er war es, der Ende der 90er – Dirk Matzke war zum Rolling Stone gewechselt – die „Hamburger Schule“ ins Knust zurück brachte. „There is a Tear in my Becks“ hieß es denn am 31.12.2002 als das Knust geschlossen – und abgerissen wurde.
Es dauerte 20 Monate bis die 1990 von Schölermann gegründete „KNUST GmbH“ eine neue Location gefunden hatte. Am 1.9.2003 eröffnete das KNUST in den Räumen des alten Schlachthof. Das Originalschild von 1976 wurde über die Tür geschraubt. Zunächst aber wurden Verluste angehäuft. Das neue Knust war doppelt so groß wie das alte. Keiner wusste wie so ein großer Club funktioniert. Und so wurde die überaus großzügige „76.000 € Umzugshilfe“ der Kulturbehörde binnen drei Monaten in Umbauten und Technik gesteckt. Nur 9 Monate später war das Experiment dann fast vorbei – im Sommer 2004 waren bereits über 100.000 Euro Anfangsverluste aufgelaufen. Es war der Fussball, der uns rettete. Der FC St.Pauli stieg erst in die zweite, dann sogar in die erste Liga auf, und wir zeigten fortan alle Spiele des „magischen FC“ live. Und alle Spiele der WM/EM sowieso. Im Mai 2010 feierten wir einen ganzen Monat lang „100 Jahre FC St.Pauli“ -nebst Bundesligaaufstieg und „Celtic-St.Pauli Party“.
Auf dem Lattenplatz fanden von 2011 -2025 akustische Konzerte unter dem Titel „Knust Accoustics“ statt. Es war mal wieder Aufbruch und Wandel. „In New York spielen an jeder Straßenecke tolle Künstler, und niemand ist sich zu schade nach Geld zu fragen, und Hut oder Gitarrenkoffer aufzuhalten.“ Bei den Lattenplatzkonzerten koamen durchaus ordentliche Gagen zustande und die Schwelle – Neuem zu lauschen war gesunken.
Seit 2011 produzierten wir etwa 80 Folgen Knust TV für unseren You Tube Kanal. Ein KNUST TV Beitrag besteht zumeist aus 3 Teilen: Interview, Liveperformance des Abends und ein akustischer Song exklusiv für das KNUST. Der Ort für das Interview wechselte je nach Wetterlage zwischen Sofa auf der großen Bühne, der Bar, der kleine Bühne im Vorraum sowie draußen auf dem Lattenplatz – also in der Umgebung um das KNUST herum.
Ab 2015 steigt ex Azubi Tim Peterding ins Booking ein und beginnt mit Konzerten unter dem Titel „Jazzhouse“ an unseren Knust-Vorgängerclub in der Hamburger Brandstwiete, das JAZZHOUSE, zu erinnern. Das erste Jazzhouse-Wochenende im Mai 2015 war dann auch ein „Ausrufungszeichen“ für die Hamburger Jazzszene. Mit Bugge Wesseltoft und Johanna Borchert eröffneten zwei außergewöhnlich experimentierfreudige Künstler die Reihe, die sich seit dem, streng in der Geschichte des Jazzhouse, um experimentelle und innovative Formen des Jazz kümmert.
So ist das Knust bis heute ein Livemusikclub mit viel Raum für Experimente im Herzen von Hamburg-St Pauli. Von Jazz (Jazzhouse Hamburg) bis Punk (Punkrock Hamburg) und Weltmusik mit anatolischem und lateinamerikanischem Schwerpunkt präsentieren wir neue musikalische Trends und Strömungen. Dabei haben wir in den vergangenen 15 Jahren laufend unsere Ton-und Lichttechnik modernisiert und können alle Shows mit hochwertiger Technik präsentieren.
Das Knust hat sich aktuell dem Aufbau neuer Communities verschrieben. Dabei liegt es in unserem Fokus die unterschiedlichen Kulturen zu verknüpfen und ihnen einen geschützten Raum zu bieten. Ein Gast sagte uns: „Dass ihr uns einen Raum gebt, ist so wichtig wie jede zur Zeit stattfindende Demonstration.“ Dabei fungieren wir auch als Berater & Förderer unterschiedlicher Künstler:innen und arbeiten mit verschieden Communities „auf Augenhöhe“.
Tim Peterding: „Wir empfinden es als unseren kulturellen Auftrag, Menschen mit unseren Konzerten zusammen zu bringen und dabei Brücken durch Musik zu bauen. Das wir so unterschiedliche Communities miteinander verknüpfen können und viele neue Talente entdecken macht uns zu sendungsbewussten Präsentatoren neuester Musikalischer Strömungen und Stile“
Und zum Home of „RockPopSoulJazzPunkPsychedelicIndependentRock’n’RollBeatHip-HopCountryLatinReggae“ und Fußball.
April 2026
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