Kein Konzert hat uns die letzten Jahre mehr berührt als DERYA YILDIRIM’s Albumrelease-Show im großen Saal der Elbphilharmonie, welches wir mit ihr veranstalten durften. Seit vielen Jahren begleiten wir Derya nun auf ihrem musikalischen Weg und freuen uns umso mehr, unser großes „50 JAHRE KNUST“ Jubiläum mit ihr und euch gemeinsam zu feiern. Mit einem großen Open Air vor dem Knust am 31.07.26. Die Aftershowparty übernimmt Kultlabel-Gründer HABIBI FUNK. Wir heißen ALLE willkommen, dieses große Fest mit uns zu feiern.
Derya Yıldırım singt ein Lied, das sie von ihrer Großmutter kennt – ein anatolischer Volksklassiker: „Hop Bico“, das bedeutet „Hüpf herum, Bico“. Deryas Großmutter interpretierte das Stück auf ihre eigene Weise, Deryas Version ist ähnlich – und doch ganz anders. Das ist kein Zufall, sondern Konzept, denn Derya ist überzeugt: Wer ein altes Volkslied spielt, muss ihm etwas Eigenes hinzufügen, „sonst könnte man genauso gut die alte Platte auflegen“. Als musikalisches Archiv kollektiver Erfahrungen umfasst das neue Album Yarın Yoksa Eigenkompositionen und featured drei traditionelle anatolische Volkslieder. Derya Yıldırım gibt ihre Stimme dem kulturellen Erbe ihrer Familie, einem Volksliedgut, das im Gestern schon da war und das es lange noch geben wird. Behutsam und respektvoll überträgt sie die Lieder in die Gegenwart, färbt sie psychedelisch ein und unterlegt sie mit hypnotischem Gesang. So wird dem Vorhandenen etwas Neues hinzugefügt, das die Erfahrungen von Generationen enthält, auch die der heutigen Gesellschaft.
Aftershow ab 21:00 Uhr 10 €
Support: Calid
Khalid Wardak ist ein afghanischer Sänger und Gitarrist, dessen Schaffen an der Schnittstelle zwischen Erinnerung, Exil und Wiederentdeckung angesiedelt ist. Seine Musik schöpft aus der Blütezeit der afghanischen Volks- und klassischen Traditionen und wird durch eine zeitgenössische, minimalistische Brille neu interpretiert, die von Distanz und Sehnsucht geprägt ist. Aufgewachsen in einer Kultur, in der Poesie und Musik untrennbar miteinander verbunden sind, betrachtet Khalid jeden Song nicht als Darbietung, sondern als einen Akt der Bewahrung.
Seine Stimme trägt das emotionale Gewicht von Geschichten, die Vertreibung, Schweigen und die Zeit überstanden haben. Heute lebt er in Hamburg und setzt diese Fragmente mit Zurückhaltung und Intimität wieder zusammen, wobei er Raum für Atempausen, Textur und Verletzlichkeit lässt.
Anstatt die afghanische Musik um der Neuheit willen zu modernisieren, möchte Khalid ihre Zeitlosigkeit offenbaren. Im Mittelpunkt seiner Arrangements steht oft die Gitarre, ein Instrument, das diesen Kompositionen historisch fremd ist, wodurch ein leiser Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Heimat und Exil entsteht.
Seine Debüt-EP, die in Zusammenarbeit mit Kabul Fire Records erschienen ist, ist zugleich Hommage und Fortsetzung, ein persönliches Archiv überlieferter Emotionen, in dem Liebe, Migration und Verlust nicht als Themen, sondern als gelebte Realitäten existieren.
Khalid Wardak greift diese Lieder nicht einfach nur wieder auf. Er lebt sie.